Bernd Reuther

Hacker posten fremdenfeindliche Inhalte auf Facebookseite von FDP-Politiker

Wesel/Berlin Es ist der Alptraum für einen Abgeordneten: Stundenlang postete ein Unbekannter fremdenfeindliche Texte im Namen des Weseler Bundespolitikers.

Der Fall zeigt, wie schnell Fremde Zugriff auf private Accounts haben können. In Reuthers Fall ist zusätzlich gravierend, dass offenbar bewusst die Facebookseite eines Politikers angesteuert wurde.

 

Der letzte private Eintrag auf der Seite Reuthers datiert vom 5. November – dort postete Reuther ein Bild vom morgendlichen Joggen im Aaper Busch. Am Dienstagmittag folgte dann plötzlich eine Flut neuer Inhalte. Fast im Minutentakt wurden ab Mittag Links zu fremdenfeindlichen Videos gepostet. Der Weseler Abgeordnete befand sich zu dieser Zeit in einer Sitzung zum Thema Luftfahrt am Airport Köln-Bonn, als er plötzlich innerhalb weniger Minuten zahlreiche Whatsapp-Nachrichten erhielt. Viele seiner Bekannten machten ihn darauf aufmerksam, dass etwas mit seinem privaten Account nicht stimme. „Man fühlt sich plötzlich so machtlos, wenn einer in deinem Namen Inhalte verbreitet“, sagt Reuther. „Ich habe keinen blassen Schimmer, wer das gewesen sein könnte.“ Schon am Tag zuvor – Reuther war dienstlich in Baden-Württemberg – hatte er keinen Zugang mehr zu den Mails.

Der Liberale hat im Parlament und auch im Weseler Rat bisher keine fremdenfeindlichen Positionen vertreten. Deshalb zeigten sich im Internet viele verwundert über seine Inhalte und kontaktierten Reuther. „Viele Freunde und Bekannte haben zum Glück schnell reagiert“, sagt der 47-jährige Weseler Abgeordnete, verheiratet und Familienvater. Reuther hatte sich zwar zuletzt einmal kritisch zu Angela Merkel geäußert – unter einer Kanzlerin Merkel werde es keine Jamaika-Koalition mehr geben – gilt trotzdem nicht als Hardliner in Sachen Flüchtlingspolitik. Der Einzige, der den Vorfall für politische Zwecke instrumentalisierte, war der Weseler SPD-Ratsherr Hilmar Schulz. Er schrieb unter Reuthers Eintrag den Satz: „Wenn man Lindner manchmal so zuhört...“, und suggerierte damit indirekt, dass es sich tatsächlich um einen realen Eintrag handeln könne.

Unsere Redaktion kontaktierte auch das Unternehmen Facebook. Dort gab es lediglich einige generelle Hinweise. Man solle schnell die Facebook-Seite besuchen, um das Konto zu schützen. Man solle sein Passwort ändern und die letzte Anmeldeaktivität prüfen. Wenn die Anmelde-Mailadresse geändert wurde, die mit dem Facebook-Konto verknüpft wird, könne man diese Änderung rückgängig machen. Facebook sende dann eine Nachricht mit einem speziellen Link an die bisherige Mailadresse. Dort könne man dann die Änderung der Mailadresse rückgängig machen.

Das alles half aber Bernd Reuther nicht. Denn auch Zugang zu seiner Mailadresse hatte der Abgeordnete zeitweise nicht.